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Natur und Umwelt

Hohe Priorität für den Artenschutz

Die neue Zugverbindung Calw – Weil der Stadt – Renningen verbessert nicht nur die Mobilität für Jung und Alt, sie schont auch Umwelt und Natur. Im Einklang mit den strengen Vorgaben des Natur- und Artenschutzes werden die Bau- und Sanierungsmaßnahmen umgesetzt. Das alles geschieht mit großer Sorgfalt und gemeinsam mit den Naturschutzbehörden des Landkreises Calw und des Regierungspräsidiums Karlsruhe – zum Wohle seltener Steinkrebse und streng geschützter Fledermäuse.

 

Steinkrebse im „Hau“

Ab ins neue Zuhause

Betroffen von den Sanierungsarbeiten der Hermann-Hesse-Bahn ist der Lebensraum der seltenen Steinkrebse im „Hau“. Für sie hat der Landkreis Calw alternative Schutzgebiete eingerichtet. Dazu mussten die geschützten Steinkrebse umgesiedelt werden. Ein aufwändiges Verfahren. Genau 180 Gewässer wurden darauf überprüft, ob sie überhaupt als neue Heimat für den Steinkrebs in Frage kommen. Nach einer Testphase war klar: Die Umsiedelung war erfolgreich, der Aufwand hat sich gelohnt. Die Tiere werden sich im neuen Zuhause naturgemäß bewegen, ausbreiten und fortpflanzen können.  

 

Näheres zur Umsiedelungsaktion der Steinkrebse:

 

Da ist einer! Vorsichtig greift Diplom-Biologe Peter Rudolph unter einen Stein und holt mit den Fingern einen Krebs hervor. Ein wenig bewegen sich die Scheren des Tieres, als es in seiner Handfläche liegt. Es handelt sich um einen Steinkrebs. Heute, an einem sonnigen Tag im Oktober, soll er mitsamt drei weiteren Artgenossen umziehen. Und zwar in einen vorab von Biologen ausgesuchten Bach. Die seltenen Krebse lebten bisher im „Hau“, auch Feldhütteneinschnitt genannt. Hier, nahe der Kaserne in Calw fühlten sie sich recht wohl. Der Lebensraum der Tiere ist aber von den Sanierungsarbeiten für die Hermann-Hesse-Bahn betroffen. Den Krebsen muss aufgrund des dadurch entstehenden Eingriffs laut der sogenannten Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ein anderes angemessenes Schutzgebiet eingerichtet werden. Diese schreibt vor, für wild lebende Arten den Lebensraum zu sichern und zu schützen.

 

Behutsame Test-Umsiedelung

 

Genau 180 in Frage kommende Gewässer wurden darauf überprüft, ob sie als neue Heimat für die geschützten Steinkrebse tauglich sind. In einen der zwei Bäche, die den Anforderungen entsprechen, will Diplom-Biologe Peter Rudolph nun die Krebse in einen Schutzkäfig einsetzen. Zusätzlich wurden vor der Bachmündung Sperren eingebaut, um die Steinkrebse vor der Krebspest zu schützen. Der Biologe zeigt sich zuversichtlich: „Wir gewöhnen die Krebse langsam an das andere Wasser. Dann kann sich der Stoffwechsel umstellen.“ Vorsichtig werden die Krebse darum zunächst aus einem Gefäß mit Wasser aus ihrem Ursprungsbach in ein anderes mit Wasser aus dem Bach gesetzt, in dem sie zukünftig leben sollen. Danach geht es ab ins große Bachbett. „Dort sind die Tiere zunächst von einem Käfig umgeben“, erklärt Rudolph, „ein Schutzraum für die Steinkrebse.“

 

Der Aufwand hat sich gelohnt

 

Vier Wochen später zeigt sich: Die Tiere sind wohlauf. Alle zwei Tage war der Zustand der Krebse von Peter Rudolph überprüft worden. In Abhängigkeit der Uhrzeit und Lichtverhältnisse waren die Krebse entweder aktiv auf Nahrungssuche oder zeigten beim Aufdecken ihrer Verstecke eine natürliche Fluchtreaktion, sie verhielten sich also normal. Die Ergebnisse der Testphase wurden von Rudolph in einem Gutachten zusammengefasst und der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Calw vorgelegt, um die Zustimmung für die Umsiedlung der restlichen 46 Steinkrebse zu erhalten. Seit der positiven Rückmeldung der Naturschutzbehörde leben nun weitere 46 Steinkrebse mit den vier vorab umgezogenen Artgenossen zusammen im neuen Gewässer.

 

 

Ersatzquartiere für Fledermäuse 

Geschützte Tunnelbewohner

 

Echte Detektivarbeit war auch die Suche nach Ersatzquartieren für die streng geschützten Fledermäuse. Die Tiere suchen im Winter Zuflucht in den Tunneln „Hirsau“ zwischen HIrsau und Calw und „Forst“ zwischen Ostelsheim und Althengstett. Durch diese Röhren fährt künftig auch die Hermann-Hesse-Bahn, wodurch die Tiere in ihrem Winterschlaf gestört werden könnten.

 

Ähnlich wie den Steinkrebsen soll den Fledermäusen ebenfalls eine neue Bleibe angeboten werden – entsprechend den strengen Artenschutzrichtlinien. In Neubulach haben die Mitarbeiter des Projektbüros gemeinsam mit den staatlichen Naturschutzbehörden nach intensiver Suche zwei geeignete Ausweichquartiere gefunden: den St.-Georg-Stollen und den Reuteberg-Stollen in Liebelsberg. Außerdem wurden bereits weitere Ausweichquartiere in Form eines alten Bunkers Nähe der Station Teinach sowie je ein Eiskeller in Gültlingen und Bad Liebenzell als Ersatzwinterquartier grundbuchrechtlich dinglich gesichert. Die neuen Winterquartiere für die Fledermäuse werden nun dem Regierungspräsidium in Karlsruhe zur Genehmigung vorgelegt. „Die Ausgleichsmaßnahmen für die Fledermäuse sind ein wichtiger Baustein des Projekts Hermann-Hesse-Bahn“, betont Dr. Joachim Bley, Umweltdezernent im Landratsamt Calw.

 

 

 

 
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